Grüezi bei vamos a la pedalo


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Wir sind Baba und Dani und der Name "Vamos a la pedalo" ist bei uns Programm - so ausgereift waren in etwa unsere Spanischkentnisse bei Reiseantritt. Unsere Reise startete von zu Hause aus und mittlerweile haben wir es bis nach Zentralamerika geschafft. Wohin uns die Reise noch führt ist offen doch wir freuen uns auf weitere Abenteuer.


Es lebe die Vielfalt

 

Nach einer Reise lautet die Standardfrage „Und, wie war es?“ Dann werden in kurzen Sätzen ganze Länder und Kulturen zusammengefasst; laut, bunt, hilfsbereit, chaotisch... Doch bei einem so grossen Land wie Kolumbien wird das noch schwerer als ohnehin. Entlang der Karibikküste und im Flachland war es heiss - wirklich heiss. Interessanterweise ist es bei diesen Temperaturen noch immer angenehmer mit dem Rad zu fahren als zu laufen, somit hat man wenigstens ein bisschen Fahrtwind. Nicht nur wir als „Hitzelaien“ hatten mit der Wärme zu kämpfen, auch die Costaños (so werden die Küstenbewohner von den anderen Kolumbianern genannt) sieht man immer wieder im Schatten verschnaufen. Wer kann es ihnen verdenken?



Zwischen Mompox und Girón führte unsere Strecke meist entlang der Hauptverkehrsachsen, viele Alternativen gab es leider nicht. Mit der Hitze und dem Lärm war dieser Teil für uns eher das Abspulen einer Pflichtstrecke als wirklicher Fahrspass. Doch liess es der Tourenfahrerstolz dann doch nicht zu auf ein anderes Transportmittel umzusteigen. Musik aus den Kopfhörern machte das Fahren erträglicher und mit langen Tagesetappen kamen wir den Anden immer näher.



Ab San Alberto führt eine schmale gewundene Strasse hinauf nach Bucaramanga. Diesen Abschnitt teilten wir uns mit vielen Lastwagen und Bussen, welche ihre Lasten mit haarsträubenden Manövern den steilen Berg hochschleppten. Immer wieder wurden wir in dunkle Abgaswolken gehüllt was für unsere Stimmung auch nicht gerade förderlich war. Ein Trost, dass die besonders schweren Camions den Verkehr hinter sich stauten und wir somit für einige Minuten etwas Ruhe geniessen konnten.
Nach stundenlangem Anstieg fehlten nur noch einige Höhenmeter bis nach Bucaramanga – oder sollte es doch die verlockende Abkürzung über das alte Bahntrassé sein? Die Nachfrage bei der Polizei schafft in solchen Situationen Klarheit – so auch in diesem Fall als uns im Flüsterton mitgeteilt wurde, dass dies Guerillagebiet sei. Also doch die Höhenmeter – geschafft kamen wir in Girón neben Bucaramanga an und gönnten uns erstmal für einige Tage Pause und viel Pizza. Beim abendlichen Bier lernten wir Leo kennen, der uns am nächsten Tag gleich eine ausführliche Stadtführung bot. So sahen wir auch die kleine Zigarrenmanufaktur, gut versteckt in einem Innenhof. Ein würziger Duft liegt in der Luft und an alten Holztischen arbeiten Männer und Frauen zügig und konzentriert mit flinken Händen.



Ab jetzt wurde es steil. Atemberaubend war die Aussicht über den Canyon Sogamoso und die gewundene Passstrasse. Eine rasante Abfahrt stand uns bevor, genauso wie ein ewig scheinender Aufstieg auf der Gegenseite – trotz grosser Anstrengung und vielen Höhenmetern, die Etappen ab Girón waren ein Genuss! Endlich hatten wir wieder Platz auf der Strasse inmitten schönster Natur. Mal karge Gebirgszüge, dann wieder urwaldartige Wälder, Wüsten, Ananas- und Kaffeeplantagen, Landschaften die ans Tösstal erinnern sowie Palmenwälder bis in grosse Höhen – die Vielfalt in den Bergen lässt keine Wünsche offen. Unsere Motivation wurde neu geweckt und das Fahren macht wieder deutlich mehr Spass. Hinzu kommt, dass wir auf dieser Strecke an vielen kleinen Dörfern vorbeikamen und immer wieder freundlich und offen empfangen wurden.



Die Strecke kurz vor Suaita war so steil, dass wir uns nur im Zickzack die Strasse hinaufkämpfen konnten. Die kurze Unterhaltung mit einer Frau kam uns deshalb zum Verschnaufen sehr gelegen. Kurzerhand fragte sie ihren Nachbarn ob er uns Orangen zu Stärkung schenken möchte - leider nein. Wir fuhren weiter und mussten herzhaft lachen als sie uns einige Minuten später mit dem Motorrad einholte und uns eine grosse Tasche voller Orangen mitbrachte. Damit wir die drei bis vier (!) Kilo Vitamine nicht weit tragen mussten, gab es gleich nach der nächsten Kurve eine weitere Pause. Herzlichen Dank für die Stärkung!



Mit zunehmender Höhe scheinen sich neben den Temperaturen auch die Gemüter etwas abgekühlt zu haben. Die Menschen hier wirken sehr friedlich, bescheiden und trotzdem stolz. Die weit verbreiteten Ponchos und Strohhüte verleihen ihnen eine bodenständige Eleganz und lassen Traditionen weiterleben. Nach einer Fahrt durch das gebirgige Hinterland kamen wir am 100-Seelendorf Las Palmas vorbei. Dort gibt es eine Schule, einen Sportplatz, eine Kirche, zwei Strassen von Norden nach Süden und zwei von Osten nach Westen. In einigen Häusern werden Lebensmittel oder andere Notwendigkeiten verkauft und bei Gloria erhält man diverse Handarbeiten, vom Strohhut über Umhängetaschen bis zum verarbeiteten Gürteltier. Noch nie sind wir in einem Dorf mit so vielen Leuten ins Gespräch gekommen. Es waren sehr offene, herzliche und eindrückliche Begegnungen. Wir fanden eine Übernachtungsmöglichkeit im Pfarrhaus und staunten wie viele Personen hier ein und aus gehen um beim jungen Pfarrer Rat zu suchen.



In den abgelegenen Gebieten sind die Strassen nur selten asphaltiert und so holpern wir mehr oder weniger gemütlich durch die Landschaft. Immer wieder feuern uns die Leute durch Hupen und lautes zurufen an und die Krönung des Ganzen war, als ein Auto vor uns anhielt und der Fahrer uns 20‘000 Pesos (etwa sieben Franken) entgegenstreckte. Wir lehnten jedoch dankend, lachend und auch leicht überfordert ab.
Auch hier im Gebirge liegen entlang der Strasse immer wieder vereinzelte Häuser. Meist werden diese schon von weitem durch laut aufgedrehte Musik angekündigt. So begleiten uns alle Arten von Volksliedern durch die Hügel. Auch wenn wir zu Hause andere Musik bevorzugen, so passt hier alles sehr gut zusammen.



Zur Zeit sind wir für einige Tage in Villa de Leyva, einem ruhigen aber doch touristischen Kolonialstädtchen. Wir geniessen die familiäre Stimmung an diesem Ort. Als wir heute im Restaurant vís-a-vís fragten ob sie am Abend offen hätten hiess es: „Claro que si – ja natürlich!“, wenn das Lokal geschlossen sei sollen wir einfach klopfen. Gesagt getan und so wurde die Küche abends nur für uns geöffnet - So geht das!