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Wein, Lavendel, Flamingos


Nach zwei Tagen Erholung in Lyon erstrahlten unsere Velos Dank der Putzaktion im Stadtpark wieder in neuem Glanz - auch wir fühlten uns wieder frisch und trocken. Die Stadt von der wir vor unserem Besuch noch nichts wussten, hat uns sehr positiv beeindruckt. Bäckereien, Metzgereien und Käsetheken sind allgegenwärtig und überzeugen durch ein wunderschönes und schmackhaftes Sortiment. Auf den planlosen Streifzügen durch die Stadt erlebten wir eine unkomplizierte und lebhafte Atmosphäre, bei der auch das Nachtleben nicht zu kurz kommt.

 

Nach einigen Irrfahrten fanden wir den Weg aus der Stadt. Die Rhone begleitete uns durch die weite Landschaft und mit dem Rückenwind fuhren sich jetzt die Kilometer wie von selbst. Dank Rosis Wollsocken und den etwas milderen Temperaturen wurde das Zelten immer angenehmer. In Bollène erhielten wir bei unserem täglichen Bäckereibesuch wertvolle Tipps. Die freundliche Bäckersfrau zeigte sich begeistert von unserer Tour und riet zu einem Abstecher der sich ungemein lohnte. Über den Montsoleil (einen gleichnamigen hatten wir schon mal im Jura) fuhren wir direkt in die Provence. Lavendelfelder, Zypressen und Rebstöcke prägen das neue Landschaftsbild. Kilometerweit erstrecken sich die Weinanbaugebiete bei Châteauneuf du Pape. Auch wenn die Reben noch karg auf dem steinigen Boden stehen, so sind die Vorbereitungen für den kommenden Jahrgang schon voll im Gang.



Vorbei an Avignon erreichten wir den Park regionale des Alpille. Auf wenig befahrenen Strassen überholten uns etliche Rennräder und E- Bikes. Radfahren scheint hier Nationalsport zu sein – kein Wunder bei dieser genialen Landschaft. Versteckt im Fels fanden wir ein Museum der besonderen Art. In der riesigen Halle werden Bilder von Van Gogh mittels Beamer an Wände, Säulen und Boden projiziert. Untermalt von passender Musik konnte man so mitten ins Bild eintauchen. Für uns als Kunstbanausen ein völlig neues Erlebnis, das uns sehr imponiert hat.



Langsam näherten wir uns dem Meer. Ein letztes Mal überquerten wir die Rohne – ausnahmsweise per Fähre. Bei Salin-de-Giraud befinden sich grosse Salzgärten. Durch den rauen Wind und die einstrahlende Sonne verdampft das Meerwasser und Salz kann abgetragen werden. Das Wasser in den Becken hat hier eine ungewohnt violette Farbe. Was beim Verdampfungsprozess hilft, verlangte uns einiges ab. Auf den Dämmen zwischen den Salinen waren wir dem Wind schutzlos ausgesetzt. Nur mit grosser Mühe kamen wir vorwärts und es brauchte einiges an Konzentration um von den Böen nicht seitlich vom Rad gefegt zu werden. Im Zeitlupentempo bewegten wir uns durch die raue Küstenlandschaft.
Die Flamingos liessen sich durch die garstigen Bedingungen nicht beeindrucken. Gemütlich stelzten sie durchs Wasser und tauchten die Köpfe zum fressen unter.

 

Ziemlich geschafft trafen wir in Saintes-Maries-de-la-Mer ein. Mit ankommen, Meer geniessen und weiterplanen vergeht ein Tag im Nu. So geht’s Morgen weiter nach Montpellier, wo unsere Velos neue Finken bekommen.