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Jetzt heisst's Vamos!


Wegen Altersschwäche und diversen Schnittverletzungen hatten wir in Montpellier zwei neue Pneus bestellt. Ansonsten hätten wir die Grossstadt gerne umfahren. Doch da der robuste Tourenreifen nur per Bestellung zu kriegen war, ergab sich für uns erneut ein kurzer Städtetrip. Über Warmshower hatten wir wieder Glück und fanden bei Dora und Roman eine zentrale und sehr gemütliche Unterkunft. Dank der vielen Tipps unserer Gastgeber entdeckten wir die charmante und verwinkelte Altstadt und genossen den entspannten Abend bevor es nach Hause zum Reifenwechsel ging. Wie so häufig bei unseren Reparaturen gehen kurze Dinge plötzlich unerwartet lange und unser bescheidenes Fachwissen wird immer wieder auf die Probe gestellt. Vor der Abreise haben wir viele Reparaturtipps von Thomas vom Radwerk erhalten und bestehende Bildungslücken können unterwegs häufig mit Youtube und Google überbrückt werden. Doch bei Abwesenheit von Internet hilft nur noch Fluchen, Schokolade und zwei Meter Abstand um die Situation neu zu beurteilen. So auch an diesem Abend, als sich der kurze Reifenwechsel zu einem umfangreichen Service an der Schaltung weiterentwickelte. Frühmorgens waren wir froh wieder viel gelernt und den Schaden selber behoben zu haben. 



Gegen Norden, in den Nationalpark Haute Languedoc, führte die nächste Etappe. Die Landschaft wurde bald wieder hügelig und grün, was wir sehr mögen. Wir besichtigten die Grotte de Clamouse - eine riesige Tropfsteinhöhle mit beeindruckenden Kalksteinformationen, wo sogar Höhlenfische gezeigt werden. Danach ging es weiter durch die weitläufigen Weinanbaugebiete und unzählige kleine Dörfer. Vor zwei Wochen waren die Reben in Chateauneuf du Pape noch karg, hier sah man schon die ersten Triebe und Blätter spriessen und auch die Blumen wurden immer bunter – so fuhren wir weiter dem Sommer entgegen.

 

Entgegen unserer Erwartungen war das Highlight im Languedoc nicht der Veloweg entlang des alten Bahntrassees, sondern die Strecke vom Lac du Salagou über den Col de la Merquière. Der verwinkelte See liegt zwischen roten Felsen und die malerische Szene wird von ausdauerndem Eselsgeschrei begleitet. Ideales Trainingsgebiet für unzählige Rennvelofahrer die an uns vorbeiflitzen. Nur einer nahm es gelassener und drosselte das Tempo von „Hase“ zu „Schildkröte“ für einen Schwatz mit vielen Informationen zur Gegend.
Immer wieder erfreuen uns die Reaktionen anderer Velofahrer; wir erhalten unterwegs unerwartet viele Unterstützungsrufe und Like-Daumen. Besonders motiviert uns auch Winken und Hupen von Last- und Wohnwagenfahrern während schweisstreibenden Bergpassagen.



Seit einiger Zeit wurden wir von einer Schönwetterphase verwöhnt. Das änderte sich nun mit der Nähe zum Strand. Ein Tiefdruckgebiet zog über die Pyrenäen, vertrieb die milden Temperaturen und hinterliess weisse Berggipfel. Es gibt einige Hauptverkehrsachsen über die Pyrenäen und nur wenige velotaugliche Wege. Unsere Wahl fiel auf eine kurvige Passstrasse im Wald, die früher als Schmugglerweg genutzt wurde.

So waren wir nun in Spanien und gespannt wie sich Land und Leute von Frankreich unterscheiden würden. Frankreich bleibt uns als zurückhaltendes und freundliches Veloland mit geduldigen Autofahrern in Erinnerung. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die vielen Menschen in den Straßencafés sowie auf den Boule- Plätzen vermitteln einen entspannten, geselligen Eindruck. Wir mögen den grossartigen Käse, die luftigen Croissants und süssen Crêpes – Merci Frankreich, wir besuchen dich gerne wieder!



Mit Schuss rollten wir dann auf der spanischen Seite talwärts. Viele alte Korkbäume säumen hier den Weg. Die geschälten, rostroten Stämme stechen besonders hervor und veranschaulichen wie dick die geerntete Rinde früher einmal war. In Figueres machten wir das erste Mal Halt. Heerscharen von Schülern tummeln sich täglich vor dem Dalimuseum. Abends wenn die zahlreichen Cars die Kleinstadt wieder freigeben, kehrt für einige Stunden Ruhe ein.

Mit den vollgepackten Drahteseln fallen wir auch im grössten Gewusel auf und die Schwierigkeit in den Städten besteht darin sich normal bewegen zu können. Mit den Fahrrädern sind wir oftmals zu sperrig und können schlecht Treppen überwinden. Trotzdem möchten wir nicht unser ganzes Hab und Gut an irgendeiner Ecke stehen lassen. Somit standen wir mitten in Figueres auf der Suche nach einem ruhigen Platz um die nächsten Schritte zu planen. 
„Do you need a place for your Bikes?“ Ganz unerwartet wurden wir mitten auf der Strasse angesprochen. Diego und Martin die im Café „Dalicatessen“ arbeiten sind selbst sehr tourenbegeistert und konnten sich vorstellen was wir suchten. Ein Glücksfall für uns. In einer geselligen Runde trafen wir alle am Abend bei einem Bier wieder und es wurde munter drauf los geplaudert. Bis jetzt haben wir Spanien als sehr angenehmes Veloreiseland wahrgenommen. Dass die Katalanen stolz auf ihre Wurzeln sind wird einem hier schnell bewusst. Überall finden sich Flaggen und gelbe Bänder als Ausdruck für den Wunsch nach Unabhängigkeit.

 

Für die nächsten 3 Wochen tauschen wir in Barcelona den Sattel gegen die Schulbank, in der Hoffnung danach spanisch und katalanisch auseinanderhalten zu können. Wir freuen uns auf eine gute Zeit bei Miguel, unserem Host, dessen Föhn Barbara schon am dritten Tag in Brand gesetzt und somit zerstört hat.



Eine FrHomage an Frankreich:
Wir mögen jetzt Chèvre (Der kommt von der Geiss), noch besser ist er mit Rosmarin oder Basilikum. Käse mit Pfefferkörnern ist super und Käse ohne Pfefferkörner ist besser mit Schimmel. Brie schmeckt mit Honig oder mit Gonfi. Wir haben nicht jedes Mal gewusst ob der Käse mit oder ohne Rinde gegessen wird – geschmeckt haben sie alle, bis auf einen, den kaufen wir nicht mehr - oder vielleicht doch, denn wir wissen nicht mehr wie er hiess.
Nous aimons le Fromage!