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Stadt, Land, Fluss


Jetzt sind wir bereits seit mehr als einem Monat in Spanien unterwegs. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

In Barcelona haben wir für drei Wochen die Schulbank gedrückt, viele Leute kennengelernt und das sonnige Wetter vermisst. Die kurze Sesshaftigkeit war eine Abwechslung zum Tourenalltag. Wir hatten das Glück ein Zimmer in unmittelbarer Nähe zur Schule gefunden zu haben. Vernünftige Leute hätten dies als Suchkriterium angegeben, wir prüften die Lage jedoch erst nach dem Buchen und hatten einfach nur viel Glück. Mühelos konnte man die Stadt von dort aus grösstenteils zu Fuss erkunden. Es brauchte einige Zeit bis wir uns in den verschiedenen Quartieren etwas orientieren konnten, doch waren wir schon bald vom Charme der kleinen verwinkelten Gassen überzeugt. Überall laden dort stylische Cafes und Restaurants zum verweilen ein, viele Strassenkünstler sorgen für Unterhaltung und die kleinen kreativen Shops heben sich von den grossen Marken ab.



Barcelona ist eine Stadt die erkundet werden will. Die ruhigen Oasen findet man häufig erst auf den zweiten Blick - und nicht auf der Rambla. Ein Besuch der Sagrada Familia gehörte auch zu unserem Reiseprogramm. Das Monument Gaudis, an dem seit über hundert Jahren gebaut wird, hat uns beeindruckt und wir können den Besuch nur weiterempfehlen.
Der Strand war wegen des kühlen Wetters noch sehr ruhig und trotzdem gab es viele Menschen zu sehen die ihre Körper im Outdoorfitness stählten, Akrobatik am Strand übten oder selbst die derzeit kleinen Wellen zum surfen nutzten.



Die Velos blieben während dieser Zeit meist unberührt und in sicherer Verwahrung. Barcelona trägt nicht umsonst den Ruf einer Diebstalhochburg. Dies sieht man den parkierten Fahrrädern an den Strassenrändern auch an. Drei Schlösser gehören zum Standard, denn sind nur die Räder angekettet fehlt doch sicher der Sattel. So waren wir sehr froh mit unseren kompletten Velos wieder weiterziehen zu können. Kaum aus der Stadt draussen, bekamen wir Gesellschaft von einem Biker der uns mit Freude begleitete. Nicht mal der Sturz über ein Schilfrohr (Die Abrollbewegung hat er wohl bei Neymar abgeschaut) liess seinen Redeschwall versiegen. Wir freuten uns jedenfalls über die lustige und informative Gesellschaft von Víctor.



Die Kondition kam schnell zurück. Trotzdem gönnten wir uns für die Höhenmeter zum Montserrat eine Fahrt mit dem Funiculaire. Die Aussicht war wunderschön, doch die Touristenströme etwas zu viel für uns. Wir suchten bald mehr Ruhe und fanden sie auf der Weiterfahrt ins Landesinnere, wo wir die Natur nur mit den Feldhasen teilten. Noch vor einigen Wochen wurde gerätselt, wann die ersten Orangen an den Bäumen zu sehen sein würden – hier hingen sie in Hülle und Fülle wie im Schlaraffenland. Riesige Plantagen mit Zitrusfrüchten befinden sich entlang dem Fluss Ebro und werden zur Meermündung hin von Reisplantagen abgelöst. In diesem Vogelparadies gab es ein Wiedersehen mit den Flamingos, die in ihrer Farbenpracht über unsere Köpfe hinwegflogen.



Die inzwischen warmen Temperaturen machen das Wildcampen einfacher, obwohl in Spanien viele Landflächen als Privat gekennzeichnet sind. Wir geniessen die ruhigen Abende in der Natur, auch wenn es manchmal dauert bis ein geeigneter Platz gefunden ist. Entlang der Küste gibt es ein grosses Angebot an Campingplätzen welche im Sommer bestimmt Hochkonjunktur haben. Auch wenn diese Plätze den Luxus von Duschen und unbegrenztem Wassernachschub bieten, ist das gedrängte Zusammenleben für uns eine ungewohnte Abwechslung.



Wir passen uns langsam der spanischen Lebensweise an. So starten wir um acht Uhr in den Tag, halten Nachmittags wenn es wirklich heiss ist Siesta, fahren danach nochmals einige Kilometer und essen spät zu Abend. Nur die Unterhaltungen in spanisch laufen noch sehr harzig und stockend, wir hoffen dass sich unser Wortschatz noch etwas weiter entwickelt. Heute geniessen wir noch die Sonne im Parc Natural de la Tinença de Benifassà und bereiten uns auf die anstehenden Höhenmeter von morgen vor.