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Parkhopping in Spanien


Jährlich reisen Touristen zu tausenden an die Strände Spaniens, doch hat das Land auch abseits der Küstenregionen einiges zu bieten. Schauen wir auf unsere Route zurück, wird schnell klar dass wir uns im Landesinneren bis jetzt sehr wohl fühlen. Dies liegt einerseits daran dass die Strecke in Strandnähe meist parallel zur Autobahn verläuft und somit zum Radfahren nicht als sonderlich gemütlich erscheint. Zum zweiten sind die Temperaturen im Gebirge weitaus angenehmer, so dass teilweise auch die Siesta zum Fahren genutzt werden kann.



Spanien überzeugt mit einer Vielzahl an Naturparks. Diese locken mit abwechslungsreicher Flora und Fauna, herrlicher Weitsicht und wenig befahrenen Strassen. Dafür muss man meist einige Höhenmeter mehr in Kauf nehmen. Nur an den Wochenenden tummeln sich hier die Motorradfahrer, welche mit lautem Geheule über die Pässe rasen. Die vermeintlichen Rennprofis hört man oft schon von weither, so dass genügend Zeit bleibt sich in Sicherheit zu begeben. Meist sind die motorisierten Fahrer aber sehr rücksichtsvoll den Radfahrern gegenüber. Teilweise bilden sich sogar Schlangen hinter LKW‘s die auf eine geeignete Passage zum Überholen warten und im Schneckentempo hinter uns her schleichen. Wieder andere wechseln (trotz doppelt ausgezogener Mittellinie) bis weit auf die Gegenfahrbahn um uns genügend Raum zu lassen. Uns freut’s – Gracias, damit hätten wir nicht gerechnet!



Glücklicherweise halten sich auch die Abfallberge am Strassenrand in den Naturparks sehr in Grenzen. Ebenso auf den weitläufigen Oliven-, Orangen-, Mandel- und Aprikosenplantagen. Ansonsten ist es immer wieder erschreckend was alles in freier Natur entsorgt wird. Das war am Anfang unserer Tour in Spanien noch nicht in diesem Ausmass ersichtlich. Extrem ist es auf nationalen und alten, nicht mehr befahrenen Strassen. Meist wird dort der Asphalt nicht erneuert oder entfernt, sondern nebenan komplett neu angelegt. Mit der Zeit erobert sich die Natur die alte Strasse zurück und Pflanzen wuchern aus allen Rissen. Hier stapelt sich von der WC-Schüssel über PET- Flaschen bis hin zu unzähligen Autopneus alles Erdenkliche. Und dies obwohl jedes Quartier mit getrennten Sammelcontainern für Papier, Flaschen und Dosen ausgerüstet ist. An die Glasscherben am Strassenrand konnten wir uns bereits in Frankreich gewöhnen. Die Städte sind hingegen sehr sauber und werden mehrmals täglich von Putzmobilen und Abfallsammeltrupps durchkämmt. Dies auch an den Wochenenden und Nachts.



Wir verbrachten drei Tage in Valencia wo uns vor allem der kilometerlange Parkstreifen gefiel. Im ehemaligen Flussbett der Túria angelegt, zieht diese grüne Ader durch die ganze Stadt. Zum Meer hin übernimmt die Ciutat de les Arts i les Ciències und veranschaulicht wie Architekten sich ausleben können, wenn man ihnen genügend Raum und Geld zur Verfügung stellt. Die Bauwerke von Santiago Calatrava und Félix Candela vereinen Grösse und Leichtigkeit, dabei verbinden sie traditionelle spanische Baumaterialien mit modernen Formen. Ein Magnet für Fotografen und solche die es noch werden wollen.



Ein Besuch in der Markthalle gehört für uns zu jedem Stadtrundgang dazu und wir geniessen jeweils die traditionellen und frischen Produkte aus der Region. Hier lockt auch eine grosse Auswahl an feinen Broten. Da in den ländlichen Regionen nur trockenes Weissbrot in verschiedenen Formen zu finden ist, freuen wir uns jeweils riesig über ein schmackhaftes Nuss- oder Vollkornbrot, welches nicht bereits am Folgetag wie Zwieback schmeckt.

Wir müssen gestehen dass die Badehosen noch nicht oft zum Einsatz kamen (dabei ist `el bañador´ Barbaras Favorit unter den spanischen Worten). Doch auch die Spanier beginnen die Badesaison erst im Juni. Viele der Pools an denen wir vorbeifahren sind noch leer oder mit Algen besiedelt. Dennoch hoffen wir auf eine baldige Gelegenheit zum Schwimmen im Meer.

 

Vorerst sind wir noch bei Víctor, einem genialen Warmshowerhost in Granada zu Gast. Er versorgt uns laufend mit Tipps zu Restaurants und Sehenswürdigkeiten und das Zimmer bei ihm toppt jedes Hotelzimmer auf unserer bisherigen Reise. Wir sind sehr dankbar diesen grosszügigen und unkomplizierten Host getroffen zu haben, der uns trotz grosser Arbeitsbelastung bei sich aufgenommen hat. Für einen Besuch der Alhambra, einer maurischen Stadtburg sind wir zu spontan unterwegs. Für das meistbesuchte Monument Europas müssen die Tickets inzwischen mindestens einen Monat im Voraus gebucht werden, so stark haben die Besucherzahlen in den letzten Jahren zugenommen. Hoffentlich klappt‘s beim nächsten Mal - wir kommen gerne wieder nach Granada zurück.