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Probier's mal mit Gemütlichkeit


Auf der Strecke von Valencia nach Granada kamen wir mit langen Veloetappen sehr zügig vorwärts und waren somit dem Zeitplan voraus. Daher drosselten wir nun das Reisetempo und nahmen uns vermehrt die Freiheit um an schönen Orten etwas länger zu verweilen.
In Maro genossen wir unseren ersten richtigen Tag am Strand und fanden dabei sogar den Weg ins Meer. Mittels Zeltboden und Velos wurde kurzerhand ein Sonnensegel improvisiert und so bewegten wir uns ausnahmsweise kaum vom Fleck – ideal an diesem idyllischen einsamen Strand zwischen steil abfallenden Felsklippen.

 



Auf der Weiterfahrt nach El Chorro machten wir einmal mehr Bekanntschaft mit der spontanen und aufgeschlossenen Seite der Spanier. Mitten auf der Strasse wurden wir auf unsere Fahrräder angesprochen und darauf kurzerhand zu einem Bier eingeladen. Wir erfuhren dabei einiges über die spanische Lebensweise und freuten uns riesig über die nette Gesellschaft. Zwei Stunden und ein paar Flaschen Bier später mussten wir uns beeilen um noch vor Einbruch der Dunkelheit in El Chorro auf dem Campingplatz anzukommen. Die Gegend ist vor allem bei Kletterern ein beliebtes Reiseziel und lockt mit Routen in sämtlichen Schwierigkeitsgraden. Im Winter sei der Campingplatz meist ausgebucht erklärte uns Mel die Eigentümerin. Doch jetzt in den Sommermonaten ist alles ziemlich ruhig und die Gäste geniessen eher eine Abkühlung im Pool und die Tour entlang des Caminito del Rey. 



Wir folgten den touristischen Pfaden durch die weissen Dörfer und landeten in Jerez. Hier werden die Andalusischen Traditionen auch heute noch gelebt. Flamenco und Stierkampf sind nach wie vor wichtige kulturelle Bestandteile und haben grosses Ansehen bei der Bevölkerung. Da wir bis anhin sowohl in Katalonien als auch in Andalusien nur kritische Stimmen dem Stierkampf gegenüber gehört hatten, kam dies für uns eher überraschend. Noch bekannter ist die Stadt jedoch für ihren Exportschlager, den Sherry, welcher sogar auf der kleinen Getränkekarte am Openair zu finden war. Ein Versuch wars wert, doch bleiben wir dem Bier auch künftig treu.



Bis zur Grenze blieben nur noch etwa 150 Kilometer. Nach langem Überlegen entschieden wir uns gegen den Besuch von Sevilla. Stattdessen gings mit der Fähre über den Rio Guadalquivir mit anschliessender Fahrt entlang des Strandes. Bis zuletzt waren wir unsicher ob diese Route im Sand mit den vollbepackten Rädern überhaupt fahrbar sein würde. Es brauchte einige Anläufe bis wir auf der richtigen Spur landeten, doch ab da gings ziemlich flott voran - wenn auch strenger als gewohnt. 30 Kilometer später ächzten die Velos nach Öl, die Füsse nach Wasser und die Muskeln nach Ruhe. Unser letztes Tagesziel war der auf der Karte eingezeichnete Campingplatz am Stadtende. Dieser entpuppte sich jedoch als Bootsparkplatz. Glücklicherweise wurden wir wenig später doch noch fündig, wenn auch nicht ganz so komfortabel wie geplant.



Wir lieben das Zelten in der freien Natur, jedoch wurde es gegen Ende unserer Spanienroute zunehmend schwieriger einen geeigneten Platz zu finden. Sowohl Häuser als auch Felder sind meist mit Mauern, Stacheldraht und allem was sich zu einem Zaun verarbeiten lässt abgegrenzt und es findet sich kaum eine Seitenstrassen ohne Verbotsschild. Meist gehen wir so vor, dass wir zuerst nach einer kleinen Wegabzweigung suchen um möglichst ungesehen in abgelegenere Gebiete zu kommen. Der Zeltplatz sollte Schutz vor Wind (ansonsten schläft sich äusserst schlecht), Schutz vor Morgensonne (Sonst schläft sichs weniger lang) und vor allem Schutz vor unerwartetem Besuch bieten. Dies gelingt uns meistens recht gut. Den einzigen Besuch am Morgen gabs an Auffahrt um viertel vor Sieben, als ein Bauer in einer riesigen Olivenbaumplantage 10 Meter neben unserem Zelt die trockene Erde mit dem Rasentrimmer zu bearbeiten begann. Er beachtete uns jedoch nicht weiter und wir packten schnell unsere Sachen.

 



In den vergangenen zwei Monaten durften wir Spanien aus verschiedenen Perspektiven entdecken. Die Menschen machen einen stolzen Eindruck und zeigten sich stets freundlich und interessiert. Auffällig war der Unterschied zwischen Stadt und Land. In kleinen Dörfern konnten die nötigsten Besorgungen in der obligatorischen Bar, beim mobilen Bäcker oder eben gar nicht gemacht werden, wogegen in grösseren Orten alles im Überfluss und zu jeder Tageszeit angeboten wurde. Die ungewohnte Siesta verhinderte nachmittags so manchen Einkauf, gab auf der Kehrseite aber Zeit um ausgedehnte Pausen im Schatten zu geniessen. 

Die Vielseitigkeit der Landschaft vermochte uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Grüne Wiesen, Karge Ebenen, hohe Berge, flache Hügel, bunte Felder, üppige Plantagen, verwinkelte Seen, steile Klippen, ausgetrocknete Flussläufe und frische Wälder – alles war dabei und konnte sich schnell abwechseln. Vermissen werden wir auch die feinen Tapas und die geniale Paella. Doch da wir in Portugal erst einmal mit einem Virus starteten, war Essen vorerst uninteressant.
Mehr zur Reise im Land der Seefahrer und Entdecker schreiben wir euch dann beim nächsten Mal.