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Ab in den Süden


Die Bikepackingroute auf der Halbinsel Nicoya war für uns ein Highlight. Sie führte entlang der Küste und somit immer wieder an den unterschiedlichsten Stränden vorbei. An die einen strömen die Surfer, andere werden von Krebsen dicht besiedelt und wieder andere sind von Vulkangestein oder Korallen übersäht. Eines hatten sie alle gemeinsam – sie boten viel Platz für alles und hatten dank der Palmen auch ausreichend Schatten. Auch auf dem Fahrrad war die Strecke abwechslungsreich. Steile Passagen während heisser Tagesabschnitten waren wie immer eine Herausforderung. Teilweise mussten Flüsse und Bäche überquert werden, was während der aktuellen Regenzeit nur selten möglich ist. Wir hatten diesbezüglich Glück und konnten die gesamte Strecke wie geplant befahren, auch wenn wir gelegentlich unsere Drahtesel durch den knietiefen Schlamm pflügen mussten.

Diese Route war auch ein erster Test für die neue Gepäckaufteilung. Auch wenn solche Pisten nach wie vor viel Anstrengung erfordern, so sind wir dennoch viel flexibler und leichter unterwegs. Vor allem in unwegsamem Gelände macht das Fahren somit doppelt Spass.



Während der Zeit in Costa Rica erlebten wir immer wieder die offene und hilfsbereite Art der Ticos. Viele begeisterte Anfeuerungsrufe und interessierte Menschen machten es zu einer Freude in diesem Land unterwegs sein zu dürfen. Nach einem besonders steilen Anstieg wurden wir von einem Autofahrer mit eiskaltem Wasser beschenkt. Arlen und seine Familie sorgten für eine Übernachtungsmöglichkeit. Vom Früchtehändler lernten wir schmackhaften Tico- Käse kennen. Bei der Fischergruppe aus San José fanden wir Anschluss zum Campen und nach einem Platten wurde Barbara mit ihrem Velo ohne zu zögern mit dem Pickup chauffiert. Dies sind nur einige Beispiele, denn Hilfe wurde immer wieder freundlich angeboten und erleichterte den Einstieg in Zentralamerika ungemein.



Mit der Fähre gings von der Nicoya- Halbinsel nach Puntarenas und somit weg von den kleinen, unbefahrenen Strassen. Ab hier führt nur noch eine handvoll Hauptverkehrsachsen in Richtung Süden und in Panama gibt es kaum mehr Alternativen zur Autobahn - der Panamericana. Deshalb nutzten wir die Gelegenheit um von Palmar Norte einen letzten Abstecher ins Gebirge zu unternehmen. Über viele Hügel kamen wir zum abgelegenen Grenzübergang in Rio Sereno.
Die Ausreisegebühr musste dort beim nahen Eisenwarenhändler im Dorf bezahlt werden, Passkopien gibt’s in der Apotheke und der panamaische Zoll unterzieht Velos für einen Dollar einer Reifendesinfektion. Ansonsten war der Grenzübergang kein Problem. Die ersten Kilometer waren überaus hügelig und führten durch dünnbesiedelte Kaffee- und Bananenplantagen nach Volcàn. In diesem Gebiet erhielten wir einige Eindrücke von Panamas ruhiger Seite bevor‘s zurück auf die Panamericana ging.



Auf der Panamericana kamen wir zügig voran, mussten dafür bei der Zeltplatzsuche einige Kompromisse eingehen; Sicherheit vor Komfort. Die Tankstelle mit 24h-Betrieb konnte nicht mit einer Traumaussicht aufwarten, dafür war rund um die Uhr jemand vom Sicherheitsdienst anwesend. Auch Kirchen, Feuerwehr- und Polizeistationen bieten sichere Möglichkeiten für zeltende Tourenvelofahrer. Die Autobahn wirkt wie ein Nadelöhr, weshalb immer wieder Tourenradler anzutreffen sind. Eine sehr willkommene Abwechslung zur sonst sehr eintönigen und lauten Strecke. Wer unsere Pannenstatistik mitverfolgt hat, dem ist bestimmt nicht entgangen, dass der Verbrauch an Reifenflickzeug drastisch angestiegen ist. Nicht ohne Grund – zuerst wegen der Schlaglöcher in Nicoya und danach lag es an den vielen - sehr vielen - abgefahrenen und verrissenen Reifen am Strassenrand. Die dadurch entstandenen Drahtsplitter liessen uns etliche Male die Luft ausgehen. Um das ganze positiv zu sehen, im Reifenflicken sind wir mittlerweile schnell – sehr schnell.



Im Strassengesetzbuch von Panama steht dass die Brücke über den Kanal nicht mit dem Fahrrad befahren werden darf. Diese Tatsache und die postierte Polizistin neben der Brücke machen ein Strassenschild somit überflüssig. Doch leider haben wir besagtes literarisches Werk nicht gelesen und stehen beeindruckt vor einem grossen Loch im Seitenstreifen vor der Brücke, als wir von der Gesetzeshüterin mit lautem pfeifen und winken auf die andere Strassenseite beordert wurden. Ausgiebig erklärte sie dass wir die Brücke mit den Velos nicht passieren dürfen, da dies zu gefährlich sei. Doch eine Lösung des Problems wurde lange Zeit nicht präsentiert. Nach etwa zehn Minuten warten zeigte uns die Polizistin jedoch einen Gehweg am Rand der Brücke. Dort bahnten wir uns durch diversen Abfall und Autobruchstücke unseren Weg nach Panama- City. Manchmal brauchts eben einfach Geduld.



In Panama- City liegen wir nun schon seit einigen Tagen auf der faulen Haut und geniessen die Erholung sowie Pancakes zum Frühstück. Unsere Velos haben sich ebenfalls eine Auszeit verdient. Ab und zu geht’s kurz ins Getümmel der nahegelegenen Altstadt, doch grosse Sprünge sind hier keine geplant. Die Stadt deckt das ganze Spektrum von heruntergekommenen Quartieren bis hin zu modernen Hochhäusern ab. Die Hauptattraktion ist und bleibt jedoch der Panamakanal.
Morgen früh packen wir unsere sieben Sachen und segeln unter der Flagge von Kapitän Fabian mit der Koala X nach Cartagena in Kolumbien. Schiff Ahoi - wir freuen uns auf Südamerika!